OddNina

If tea can't fix it, it's a serious problem.

Das Ende von Alice

“Dieser Roman von A.M. Homes löste einen Skandal aus - jetzt ist er auch auf Deutsch erhältlich. Als A.M. Homes’ Roman Das Ende von Alice 1996 in den USA erschien, sorgte er für heftigste Diskussionen, die selbst bis nach Deutschland überschwappten. Kein Verlag traute sich damals, das Buch auf Deutsch herauszubringen. Heute gehört A.M. Homes zu den anerkanntesten Schriftstellerinnen der Gegenwart…”

Inhalt

Der zu einer lebenslangen Haftstraße verurteilte Pädophile Chappy sitz seit sehr langer Zeit im Gefängnis. Während dieser Zeit bekam er Aufgrund seines Vergehens und seiner Neigung etliche Briefe von Bewunderern, darunter auch Briefe von einer neunzehnjährigen, welche ihm tiefe Einblicke in ihre eigene Gefühlswelt offenbart, welche sich deutlich in eine ähnliche Richtung entwickelt, wie einst seine eigene. Es beginnt eine Brieffreundschaft, welche ihn fängt und ihn an das Ende von Alice erinnert.

Meinung:

Selten ist es mir so schwer gefallen treffende Worte für ein Buch zu finden welches einen so starken Widerspruch zur eigenen Ethik birgt. Die Thematik ist ekelerregend, die Wortwahl abstoßend detailliert und die Geschichte geht unter die Haut. Eine Freundin fragte mich, ob man so etwas denn überhaupt lesen möchte und ich antwortete ihr, das ich es noch nicht wisse, und wenn es mir nicht gefallen würde, könnte ich es einfach zuschlagen. Ich log, denn obwohl mir vieles in diesem Buch nicht gefiel konnte ich nicht aufhören zu lesen.

“Es klingt so eigenartig, wie Sie reden – haben Sie in England studiert? Oder ist das ein Sprachfehler? Eine Freundin von mir musste in ihrer ganzen Highschool Zeit mit einem Sprachtutor arbeiten.” Ich antwortete: University of Virginia, B.A. 1961. Der Sprachfehler ist reines Getue.

Warum also tat ich es mir dieses Buch an? Die Antwort findet sich erst nach dem ich fertig gelesen hatte.

Weil es interessant ist, in die vermeindliche Gedankenwelt eines Menschen zu schauen, welcher ein Thema von einem eigenen, nacht nachvollziehbarem Standpunkt aus betrachtet denn für Chappy ist seine Neigung gegenüber Kindern alles andere als pervers, oder illegal. Selbst wenn das Gesetz es ihm vorschreibt.

Gefängnis. Morgen. Das Geklingel der Glöckchen. Ich stehe an der Tür, dem Tor zu meiner Zelle. Ich höre das Rufen der Namen. Ich höre ihre Namen, ich kenne ihre Taten. “Jerusalem Stole”, ruft der Sergeant. “Das ist ein Irrtum – nennt mich Jerry”, antwortet Jerusalem. “Frazier”, sagt der Sergeant, “Frazier.” “Was wollt ihr, Blut?”, brüllt Frazier.

Während des Verlaufes der Geschichte, in dem viele Details über Chappy, die Beziehung zu der von ihm ermordeten Alice, seinem Alltag im Gefängnis sowie seiner Kindheit mit seiner gestörten Mutter ans Tageslicht kommen, schlug ich das Buch oft zu und dachte darüber nach was ich las. Mädchen an sich, werden von ihm beschrieben als wären sie keine Kinder, sondern erwachsene Frauen, welche mit ihrem Benehmen gezielt reizen, das Blut erbeben lassen, ihn fangen und dazu zwingen sich anzufassen. Er zeichnet mit seinen Worten Bilder.

Oftmals ist die Wortwahl skandalös und schnell beschleicht einen das Gefühl, man soll geschockt sein, sich über das Buch empören doch nur all zu oft gingen diese Momente in den eigenen Gedanken unter. Glauben diese Menschen wirklich, das was sie da tun ist okay?

Diese Frage kann man wohl nicht beantworten, das tut auch dieses Buch nicht, denn am Ende ist es nur ein Roman. Eine Erfundene Geschichte mit erfundenen Charakteren in einem erfundenen Umfeld. Das Ende von Alice ist Hart, sicher nicht für jeden, warf viele Fragen auf und schockierte. Während der ganzen Zeit in der ich dieses Buch las fühlte ich mich jedoch nicht einmal so, als wäre es Schund, da alles zum Denken anregt, besonders die schnellen Sprünge von Chappys Gedanken.

Ob ihr dieses Buch lesen solltet, müsst ihr selbst entscheiden.