
In der Nacht hatte es leicht geregnet. Eigentlich hatten wir gehofft, dass sich die bedeckte Wetterlage des Morgens hält, denn immerhin haben wir am Freitag und Donnerstag schon ordentlich bluten müssen. Laut Wetterbericht war ich fest von anhaltendem Regen sowie Gewittern ausgegangen. Die kurze Hose habe ich also eiskalt gegen Gummistiefel getauscht. Hätte ich das mal gelassen. Begonnen hat der Tag dann nämlich mit Spaß im Hardbowl und endete in einer minderschweren Katastrophe…

Eskimo Callboy
Spaßbands gibt es überall, aber wenn man Mambo Kurt irgendwann von der Bühne schießen will braucht es eine next generation und neben Emmure sind Eskimo Callboy verdammt noch mal mit das beste was mir am Wochenende passiert ist. Offiziell heißt das was sie machen Post-Hardcore/Trancecore und man merkt, dass sich die Jungs aus Castrop-Rauxel (where the fuck is that?) nicht unbedingt ernst nehmen. Genau so muss man auch ihre Ponotexte sehen. Spaß, Alkohol Sex und Kram zusammen mit ner Portion Ironie und schon kann man bei denen ordentlich abgehen. Das haben sich meine Jungs auch nicht entgehen lassen und sind sofort in den Pit. Ich war noch nicht wach aber nach dem Konzert positiv überrascht. Allerdings war der Kerl den Sushi am Ende beim California Gurls Cover nach oben holte ein Idiot. Bei dem haben sie in die Scheiße gegriffen. Egal. Anhören! Probe hören
I killed the Prom Queen
Eigentlich sind die doch tot gewesen oder? Richtig. Die haben sich getrennt jedoch ist jetzt wieder alles in Butter.Umso besser für uns, weil die gut sind, auch wenn ich sie mir am liebsten Live anhöre weil sie von der Platte irgendwann nerven. Probe hören

Evergreen Terrace
Metalcore aus Amerika. Woher auch sonst? Evergreen Terrace (Die heißen wirklich so wie die Straße in der die Simpsons wohnen) waren gut. Nina war aber viel zu müde und fertig von der Hitze um sich den Auftritt in der Hardbowl anzusehen. Ich hab mich zum schlafen nach hinten verzogen, legte mich gepflegt in den zertretenen Zigarettenstummelrasen und hab ne Runde im Halbschlaf dösend die Augen zugemacht. Das sollte aber kein Grund sein sich die nicht anzuhören. Sie sind wirklich gut. Probe hören

Cannibal Corpse
Die Skandalmetaller der Kannibalen Leiche fallen weder mit sonderlicher Schönheit, noch mit großartig guter Musik auf und gehören für mich eher in die Kategorie “Kann man sich mal ansehen”. Genau deswegen habe ich vom Konzert auch nicht all zu viel in Erinnerung. Das Hirn von der Hitze gar gekocht ging es bei Corpse mal wieder um Gewalt, töten und Schmerzen. Das was die tun nennt sich offiziell Death Metal, aber eigentlich geht es in den nicht verständlich gegrowlten und gequiekten Texten wohl um Horror und Gore zeug. Nicht so meins. Probe hören

Immortal
Wahrscheinlich tue ich dieser großartigen Black Metal Band unrecht wenn ich zugebe, dass sie in unserem kleinen Reisegrüppchen am Ende des Tages der Runninggag wurden, denn eigentlich sind sie in ihrer Sparte hoch angesehen. Nur mag Ich einfach keinen Black Metal. Das Corpse Paint ist lächerlich, der krebsartige Showgang entlang der Bühne genau so lustig und nachdem aufgrund technischer Probleme dann der Gesang ausblieb kann ich nicht behaupten besonders angetan gewesen zu sein. Probe hören

Heaven Shall Burn
Nicht, dass ich die Thüringerjungs nicht schon oft genug gesehen habe aber dieses Konzert sollte etwas besonderes werden. Zum ersten Mal waren HSB Headliner auf dem Festival, welches einen großen Teil zu ihrem Bekanntheitsgrad beigetragen hat. Natürlich waren wir in riesiger Erwartung auf das Konzert. Würde es neue riesige Circlepits geben? Die größte Wall of Death aller Zeiten? Das ganze Publikum rudernd?
Es sollte anders kommen als jeder es für möglich gehalten hatte.
Die Band hatte nicht einmal 3 Lieder ganz fertig, da begann es zu Regnen. Ein erlösender Moment, da wir seit Donnerstag in brütender Hitze vegetierten, schwitzten und uns Erholung durch erschnorrte Eiswürfel gönnten. Es begann lauwarme, riesige Tropfen zu Regnen. Der Anblick des Regens vor der Bühne war mit einem Wort: episch. Blitze begannen über den pechschwarzen Himmel zu zucken, Donner knallte lauter als die Musik und innerhalb von Sekunden waren wir alle Klatschnass.
Aber das episch, katastrophal, angsteinflössende Wetter war dem Großteil des Publikums egal. Es war egal das es kalt wurde, das es begann zu Hageln und auch, dass auf einmal die Technik versagte und HSB bestimmt 3 Minuten ohne hörbaren Ton spielten!
Wir brüllten, tanzten, bangten und sprangen umher wie angefixte Teenager! Ein geiles Konzert, welches von der Naturgewalt nicht besser hätte unterstützt werden können. Vollkommen durchnässt und fertig mit dem Tag kehrten wir durch wackenartigen Matsch zurück zum Auto um uns abzutrocknen und endlich zu schlafen. Most epic concert ever. Probe hören

Der With Full Force Hurricane 2012
Mitten in der Nacht hat Jan mich unerwartet aufgeweckt. Draußen tobte ein Sturm. Kein Sturm der ein bisschen die Bäume verbiegt und einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubert weil es so romantisch ist, sondern diese Art Sturm der einem wie ein saures Gefühl im Magen aufsteigt und einen hoffen lässt, dass alles gut wird.
Die provisorische Pavillionkonstruktion vor dem Auto hielt die enormen Windgeschwindigkeiten aus, knallte aber immer wieder auf und ab. Blitze und Donner gaben sich nichts. Der Sturm war direkt über dem Force Gelände und alles was uns blieb war, dass Jan und ich im Auto aneinander gekuschelt versuchten wieder einzuschlafen.
Am nächsten Morgen wurde das ganze Ausmaß schleppend bekannt. Wir erfuhren von dem Blitzeinschlag über die Leinwand neben der Hauptbühne. Es gab Verletzte aber keine Toten. Helfer und Retter waren schnell zur Stelle und alles sei Gut. Meine Ma rief mich am Nachmittag dann relativ aufgeregt an und wollte wissen ob alles in Ordnung sei. 50 Verletzte soll es laut Nachrichten gegeben haben aber der Blitz schlug auf dem Campingareal 1B ein. Wir standen bei 3B. Das ist jetzt keine Welt aber wohl genug um sicher gewesen zu sein. An dieser Stelle wünsche ich allen Betroffenen eine gute Besserung. Kommt schnell wieder auf die Beine.
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